Ein Blick hinter die Kulissen

Franz Wöhrl & Christian De Lapuente über die Herausforderungen des Bürgermeisteramtes

Beide waren vorab in ihren Parteien Fraktionsvorsitzende und sind nach monatelangem Tauziehen vom Stadtrat in ihrem neuen Amt bestätigt worden – FRANZ WÖHRL (CSU) als 2. und CHRISTIAN DE LAPUENTE (SPD) als 3. Bürgermeister. 

 

 

FRANZ WÖHRL (CSU)

 

CHRISTIAN DE LAPUENTE (SPD

CITICON hat beide beim NORDBRÄU Brauereifest als würdige Vertreter der Stadt erspäht und interviewt…

Was hat sich im Vergleich zum Fraktionsvorsitz im Bürgermeisteramt verändert? 

Wöhrl: Vom Terminkalender her bin ich im Prinzip jetzt den ganzen Tag unterwegs, nicht nur am Abend oder am Nachmittag. Das ist ein großer Unterschied. Außerdem vertrete ich nicht mehr nur eine Fraktion, sondern die Politik und die Verwaltung als Bürgermeister. 

De Lapuente: Ich bin schon lange politisch und ehrenamtlich aktiv, aber als Bürgermeister ist man noch einmal viel näher an den Menschen in der Verknüpfung mit der Stadtverwaltung und den konkreten Themen vor Ort. Es gibt jeden Tag neue Gespräche und Herausforderungen – genau das macht die Aufgabe für mich so spannend.

 

Was ist besonders wichtig im neuen Amt?

Wöhrl: Eines vorweg: Ich bin immer noch Franz Wöhrl und ich werde es auch bleiben. Mit mir kann man immer reden, das Amt hat daran nichts geändert. Aber als Bürgermeister kann ich die Verwaltung ein bisschen besser anschließen, sag ich jetzt mal, oder ein bisschen besser fordern. Das Wichtigste ist, dass man mehr Vertrauen schafft – Vertrauen der Politik in die Verwaltung und umgekehrt der Verwaltung in die Politik. Da bin ich ganz streng dran und ich erhalte Rückmeldung, dass es schon ein bisschen besser funktioniert.

De Lapuente: Für mich ist besonders wichtig, dass die Menschen wissen: Ich bin da und ich höre zu. Gerade im Bereich Sport und Soziales geht es nicht nur um Zahlen und Einsparungen, sondern vor allem um Menschen und um das Miteinander in unserer Stadt. Ich möchte die Vereine und sozialen Einrichtungen unterstützen und gleichzeitig verantwortungsvoll mit den finanziellen Möglichkeiten der Stadt umgehen. Auch wenn nicht immer alles möglich sein wird, möchte ich gemeinsam mit den Menschen nach guten Lösungen suchen. Mir ist wichtig, ansprechbar zu bleiben, Verantwortung zu übernehmen und nicht nur über Probleme zu sprechen, sondern auch etwas zu bewegen.

 

Herr Wöhrl, Ihre Bereitschaft zur Kandidatur war eher spontan als lang überlegt. Wie war das damals – ein Mann, ein Wort?

Wöhrl: Es war eine brutal schnelle Entscheidung. Ich habe nur ein Telefonat geführt und meine Bereitschaft signalisiert. Bis zur Wahl waren es noch ein paar Tage und ich musste zweimal ins Rathaus wegen unterschiedlicher Termine. Also schaute ich bei der 2. Bürgermeisterin vorbei. Ich sah den Schreibtisch an und konnte mir nicht vorstellen, hier den ganzen Tag zu sitzen. Tatsächlich tue ich das auch nicht. Ich habe wahnsinnig viele Besprechungen, die ich meistens selbst organisiere. Man muss viel sprechen, denn insbesondere vor den Stadtratssitzungen steigt der Stresspegel in der Verwaltung. 

 

Wie ist die Arbeit angelaufen und vor allem wie läuft die Zusammenarbeit zwischen Oberbürgermeister, 2. und 3. Bürgermeister? 

De Lapuente: Die Zusammenarbeit innerhalb der Stadtspitze empfinde ich als sehr angenehm. Wir sind unterschiedliche Persönlichkeiten und kommen aus unterschiedlichen Bereichen, aber gera-de das kann auch eine Stärke sein. Wichtig ist für mich, dass man sich menschlich versteht, offen miteinander spricht und gemeinsam versucht, die besten Lösungen für Ingolstadt zu finden. Für mich persönlich ist das neue Amt vor allem eine Aufgabe, bei der ich viel lernen und gleichzeitig meine bisherigen Erfahrungen einbringen kann. Aus dem DGB bringe ich die Perspektive der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit, aus der Politik die kommunale Erfahrung und aus dem Ehrenamt die unmittelbare Verbindung zu Vereinen und Menschen vor Ort. Diese drei Bereiche helfen mir, unterschiedliche Sichtweisen zusammenzubringen.

Wöhrl: Mit Michael Kern war es immer gut. Als Fraktionsvorsitzender hatten wir auch schon sehr viel Austausch. Der ist gar nicht so viel mehr geworden, muss ich sagen, weil jeder seine eigene Arbeit hat. Wir sprechen alles miteinander ab und tauschen Ergebnisse aus. Selbstverständlich auch mit Christian De Lapuente. Wir haben grundsätzlich Arbeitsteilung, sprechen uns aber ab, wenn wir ein Thema haben, das etwas schwierig ist. Also es läuft, ich würde sagen, extrem gut!

 

Was war der bislang schwierigste oder schönste Moment?

Wöhrl: Ein schwieriger Moment ist schon, wenn man in den Besprechungen sitzt, ein Thema hat, ein Einzelthema, es sich erklären lässt und überzeugt ist, dass es gleich umgesetzt werden kann und dann miterlebt, wie es noch zig Mal durch Stadtrat und Verwaltung läuft, hin und her diskutiert wird und am Ende nichts passiert. Das ist das, was mich am meisten nervt. 

De Lapuente: Besonders schwierig sind für mich Situationen, in denen unterschiedliche Vorstellungen und Interessen aufeinandertreffen und es keine einfache Lösung gibt. Gerade dann ist es wichtig, miteinander im Gespräch zu bleiben und auch unterschiedliche Perspektiven ernst zu nehmen. Ein besonders schöner Moment wäre für mich, wenn wir trotz der schwierigen finanziellen Lage gemeinsam etwas bewegen können, das den Menschen in unserer Stadt direkt zugutekommt. Wenn am Ende einer Diskussion eine gute Lösung entsteht und man merkt, dass sich das Engagement gelohnt hat, ist das für mich ein besonderer Erfolg.

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