INGOLSTADT – quo vadis, 
Herr Kulturreferent?

CITICON IM GESPRÄCH MIT DEM INGOLSTÄDTER KULTURREFERENTEN  MARC GRANDMONTAGNE

Die Kulturfördermittel der Stadt sind bereits zusammengestrichen worden und die immer deutlicher werdende Finanzlage Ingolstadts lässt erahnen, das war noch lange nicht das Ende der Fahnenstange, sondern nur der Auftakt zu weiteren Kürzungsrunden. Eine schwierige Lage für den Kultur-referenten Marc Grandmontagne und selbstredend die Kulturszene mit allen Akteuren, die sich bislang um das quirlige kulturelle Leben in Ingolstadt verdient gemacht haben. 

Wie wird es zukünftig weitergehen?
denn ein Aufgeben und Ersticken in Trauer
um ausbleibende Gelder kommt nicht in Frage!
Gibt es Lichtblicke?

„In der Tat, es gibt gute, ermutigende Signale vom Kulturmäzenatentum. Wir haben für die Kammerphilharmonie eine großzügige Spende bekommen. Die Rotarier und die Firma Peters haben gespendet. Es gibt hier und da immer wieder Unterstützungen. Derzeit prüfen wir die Möglichkeiten, das Mäzenatentum, das in Ingolstadt eher unterentwickelt ist, in Schwung zu bringen. Es gibt im Oktober beispielsweise einen Stiftungstag in Ingolstadt, der alle Ingolstädter Stiftungen versammelt. Wir suchen nach Wegen, wie das, was da gefördert wird, mit dem, was dringend Förderung braucht, zusammengedacht werden kann, damit neue Möglichkeiten entstehen und etwas wachsen kann. Das sind momentan meine Baustellen.“

 

Optimierungsbedarf besteht auch im sehr bürokratisch verankerten Förderungswesen an sich. Was tut sich an dieser Front?

„Zunächst: Förderung mit öffentlichen Steuergeldern wird immer Bürokratie verursachen, denn jede Ausgabe ist erklärungsbedürftig und rechenschaftspflichtig. Das muss aber nicht überbordend sein. Schwierig ist wahrscheinlich eher, dass es kompliziert wird, wenn mehrere Ebenen ins Spiel kommen, also Kommune, Land, Bund und/oder Europa. Hier würde man sich mehr Abstimmung wünschen, so dass die Dinge einfacher gestaltet werden, was leider nicht immer der Fall ist. Gerade im Kulturbereich wissen wir, dass programmatische Förderung oft zur sog. „Projektits“ führt, während für die gleichzeitig entstehenden Verwaltungsaufgaben kaum oder keine strukturelle Förderung existiert. Die Nachhaltigkeit bleibt daher oft auf der Strecke und die Arbeitsbedingungen sind oft prekär, weil das Geld eben nur für die Inhalte verwendet werden darf. Gerade durch Corona haben wir erfahren, wie fragil das alles war und die Politik hat daher in den letzten Jahren über Gegenmaßnahmen diskutiert, zum Beispiel faire Löhne für freie Künstlerinnen und Künstler. Bei uns in Ingolstadt ist nach meiner Wahrnehmung aber eher die Tatsache ein Problem, dass uns das Geld überhaupt ausgeht.“ 

 

Die Ingolstädter Museen sind angezählt. Ein Stadtmuseum ohne Direktorium, keine Sonderausstellung im Dmm und das Mkkd unterbudgetiert. Wie soll das gehen? 

„Für das DMM Ingolstadt oder das Stadtmuseum ist diese Art des Runterfahrens eine Chance, um irgendwie unbeschadet durch die nächsten Jahre zu kommen. Dauerhaft funktioniert das aber nicht. Ich hoffe einfach, dass der Betrieb bald wieder hochgefahren werden kann, denn das Potenzial dieser beiden wunderbaren Museen ist noch lange nicht ausgeschöpft.  Für das MKKD müssen wir eine singuläre Lösung finden, wenn wir 2027 eröffnen wollen. Es finden gerade Gespräche auf allen Ebenen statt – das gekürzte Budget war für ein wesentlich kleineres Haus konzipiert. Für mich bildet das MKKD mit dem Brigk, der THI und dem Hochschulplatz, der künstlerisch gestaltet wird dank des Freundeskreises des MKKD, ein Kraftfeld, wo Erneuerung für die Stadt und ein städtebaulich attraktiver Ort
entsteht. Wenn man jetzt das Haus schwächt, noch mehr Personal und Budget einspart, vergibt man eine große Chance. Klar kostet das Geld, aber ich glaube, dass jenseits des ästhetischen sowie des gesellschaftlichen Mehrwerts das MKKD auch ein Ankerpunkt ist, um die Stadt attraktiver zu machen und Menschen anzulocken, auch von außerhalb. Wir dürfen nicht vergessen, dass wir die einzige deutsche Stadt sind, die so ein schönes Museum für konkrete Kunst hat. Daraus lässt sich doch was Gutes für Ingolstadt machen.“

 

Direktorin MKK, Theres Rohde und Kulturreferent Marc Grandmontagne © Steffi Kürten

Gefällt Ihnen der Artikel?

Auf Facebook teilen
Auf Twitter teilen
Auf LinkedIn teilen
Auf WhatsApp teilen

Hinterlassen Sie uns ein Kommentar

Weitere Artikel

WordPress Cookie Plugin von Real Cookie Banner